Lindau mit allen für alle!

Den Weg für Lindau in eine lebenswerte Zukunft stelle ich mir auf drei Säulen vor.

1. Säule: Das Miteinander

Lindau – das sind wir alle. Wir alle möchten uns zugehörig fühlen.

Wie sind soziale Wesen. Für ein lebens- und liebenswertes Lindau ist ein respektvolle Miteinander ein Muss. Eine offene und wertschätzende Gesprächskultur.

Deshalb haben wir in der Stadtverwaltung begonnen, über unserer Selbstverständnis nachzudenken. Zu reflektieren, was wir tun und warum wir es tun. Und vor allem auf Grundlage welcher Werte wir handeln möchten. Diesen Impuls möchten wir in die Gesellschaft tragen: Es kommt nicht nur darauf an, was ich tue, sondern mit welcher Haltung ich es tue. Respekt, gegenseitige Wertschätzung und Offenheit tun uns gut.

Die Kommune/Gemeinde ist das Herz der Demokratie.

Das Wesen der Demokratie ist die Mitwirkung, die Mitverantwortung. Ich wünsche mir, dass jede Mitbürgerin, jeder Mitbürger sich mitverantwortlich fühlt, fühlen kann.

Zusammen sind wir mehr als die Summe jedes Einzelnen!

Wir brauchen die Möglichkeit, uns zu informieren und uns zu beteiligen in dem Rahmen, wie wir es können und möchten. Mitverantwortung darf kein Luxus sein. Wir sollten uns alle verantwortlich fühlen für die Geschicke unserer Stadt und unserer Gesellschaft und in dem Maße, in dem wir Verantwortung übernehmen, können wir uns eingebunden fühlen.

Wir wollen die repräsentative Demokratie nicht in Frage stellen, die Vertretung der Bürger durch den Stadtrat, und dennoch können wir nach Möglichkeiten suchen, wie Bürgerinnen und Bürger sich informieren, austauschen und beteiligen können.

Ich denke hier an die Bürgerwerft. Unter dem Dach der Bürgerwerft sind schon jetzt einige Angebote zusammengefasst, mit welchen die Stadtverwaltung die Bürgerinnen und Bürger informiert, einbindet. Das neue Format, der Projektwerft, die eine Plattform  für den Austausch über konkrete Projekte bietet, ist ein weiterer Schritt, Bürgerbeteiligung lebendig zu machen.

Das schöne dabei: Die Begegnung. Menschen treffen wieder auf Menschen, echte Menschen. Das Gespräch von Angesicht zu Angesicht wird wieder geübt, kultiviert.

Wir können nachdenken über weitere Möglichkeiten, die Demokratie, das Miteinander, die Mitbestimmung erlebbar zu machen.

Ich denke hier an Möglichkeiten wie ein Jugendparlament oder einen Bürgerrat, dessen Einschätzung zu einzelnen Fragen sich der Stadtrat anhört. Ich denke an eine eigens zu schaffende Stelle, die sich mit dem Ehrenamt und der Bürgerbeteiligung befasst, um der Mitverantwortung in unserer Gesellschaft wieder mehr Raum zu geben).

Miteinander braucht Begegnung!

Es geht darum, Räume für Begegnung zu schaffen. Nicht nur im Privaten, sondern auch im öffentlichen Raum.

Räume für die Lindauerinnen und Lindauer. Plätze in den Ortsteilen mit Aufenthaltsqualität. Eine Inselhalle als Bürgerhalle ist wunderbar, aber es kann nicht reichen. Wir möchten uns im Alltag, in den Stadtvierteln, wo wir leben, aufhalten und zusammenkommen können. Unkompliziert. Gratis, aber wie man so schön sagt nicht umsonst. Ich möchte nicht immer in einem Café an der Hafenpromenade sitzen oder im Lindaupark, wenn ich mich außerhalb von zu Hause aufhalten möchte.

Der Lindenhofpark ist ein schöner Ort. Der Bürgerpark, auf den wir uns auf der Hinteren Insel freuen können, wird Platz für Begegnung schaffen. Aber hier dürfen wir nicht aufhören. Die Bürgerbeteiligung anlässlich der Voruntersuchungen zur Entwicklung von Reutin Mitte haben gezeigt, dass sich viele auch hier Aufenthalts- und Begegnungsräume wünschen.

Das ISEK (Integriertes Stadtentwicklungskonzept der Stadt Lindau) sieht noch viele Maßnahmen vor, an deren Verwirklichung wir uns nun begeben können.

Die Aufwertung von Schrannenplatz und Reichsplatz, die Steigerung der Aufenthaltsqualität, die zum Verweilen einlädt, die Entwicklung eines platztypischen Nutzungskonzeptes mit Markt oder Veranstaltungen. Natürlich stellt sich auch hier die Frage wie man mit dem ruhenden Verkehr auf den Plätzen umgeht.

Des Weiteren die Aufwertung vom Ende der Maximiliansstraße, dem Bahnhofsvorplatz, sowie die Nachnutzung des Bahnhofsgebäudes.

Aber Lindau ist nicht nur die Insel. Denken wir an den Aeschacher Markt, das Reutiner Rathaus, den Ortsteilanger Zech, auch diese Projekte sind schon im ISEK angefacht.

Wenn wir auf diese Weise schon über Projekte sprechen, die im ISEK angelegt sind, möchte ich die vielen Projekte, die schon erfolgreich auf den Weg gebracht sind oder in den Startschuhe stehen nicht verschweigen, ich möchte diese aber unter in einen anderen Zusammenhang stellen, die zweite Säule.

2. Säule: Das menschliche Maß

Den Begriff des „menschlichen Maßes“ hat Jan Geht geprägt. Jan Geht ist ein dänischer Architekt und Stadtplaner, der der Stadt Kopenhagen wiederholt den Titel als lebenswerteste Stadt eingebracht hat.

Was ist der Ausgangspunkt seiner These? Nach Jan Gehl ist eine Stadt dann lebenswert, wenn sie kurze Wege und überschaubare Orte bietet. Der beste Indikator hierfür sind laut Jan Gehl Kinder und ältere Menschen. Belebt und lebenswert sind Orte, die nicht nur dem schnellen und motorisierten Verkehr vorbehalten sind, sondern wo sich Menschen aufhalten und langsam bewegen.

Lasst uns daher etwas für Familien mit Kindern tun!

Erst vor kurzem wurde die Bevölkerungsprognose für die Stadt Lindau vorgestellt. Ohne konkretere Zahlen zu nennen, was wurde deutlich?

Wir brauchen mehr bezahlbaren Wohnraum, wir brauchen gute und ausreichende Schulen und Kindergärten in einer weitaus höheren und stetig wachsenden Zahl. Wir benötigen hierzu die Plätze, dass heisst die Betreuung und natürlich auch die Räumlichkeiten für eine Mittagsbetreuung in Schulen, Kindergärten und Kitas.

Ein besonderer Augenmerk sollte daher in den nächsten Jahren auf unserer Schul- und Kindergarten-/Kitalandschaft liegen.

Neben dem Umstand, dass es den gesetzlich verankerten Anspruch auf einen Kitaplatz und die Ganztagesbetreuung gibt (gibt es den?), wird sich auch die Nachfrage ändern, denn Eltern möchten immer flexibler wählen wie sie Berufstätigkeit und Familienleben verbinden.

Bezahlbaren Wohnraum schaffen wir jetzt schon durch das Bauvorhaben der GWG in Zech, das Höckle-Areal. Wohnraum kann es geben auf dem Cofely-Areal, sofern hier Baurecht geschaffen wird.

Auf der Hinteren Insel und den freiwerdenden Bahnflächen in Reuten schaffen wir nicht nur Wohnraum, nein, wir entwickeln unsere Stadt weiter.

Das besondere ist, dass es ein kleiner Teil Stadt ist, den wir weiterentwickeln können mit allem was dazu gehört. Dabei geht es nicht nur um die Schaffung von Grundrissen, sondern darum sie mit Leben zu füllen. Die Wohnungen sollen den Wohnbedürfnissen und auch dem Wusch nach neuen Wohnformen angepasst werden. Kleine Handwerksbetriebe und Cafe´s, Möglichkeiten der Kinderbetreuung, Begegnungsflächen dürfen nicht fehlen.

Wesentlich sollte hier sein, dass das Konzept im Vordergrund steht und nicht der maximal erzielbare Profit.

Lasst uns etwas für die Jugendlichen tun, damit sie sich wohlfühlen!

Lasst uns kulturelle Angebote und Bildungsangebote schaffen!

Das menschliche Maß hat für mich aber auch mit sozialer Gerechtigkeit zu tun!

Was ist Gerechtigkeit? Aus kommunalpolitiker Sicht erscheint es mir schwierig, absolute Gerechtigkeit zu versprechen. Soziale Gerechtigkeit hat vielmehr damit zu tun, jedem Menschen, jedem Bürger die Teilhabe an der Gesellschaft durch die Gewährung von Rechten, möglicherweise auch von Mitteln zu ermöglichen.

Der Schwerpunkt liegt aus meiner Sicht auf den Worten „Teilhabe ermöglichen“.

Ich kann mich dafür einsetzen, den Mitbürgerinnen und Mitbürgern die Teilhabe zu ermöglichen. Wichtig ist hierbei, dass ich alle Aspekte berücksichtige, Ich kann mit der einen Hand nur das ausgeben, was die andere verdient. Ich stelle sozialen Frieden und soziale Gerechtigkeit nur her, wenn sich alle Seiten gesehen fühlen, wenn die Interessen aller abgewogen und eingeflossen sind. Wie die Möglichkeiten jeweils aussehen, das entscheidet sich nach der Situation, den zur Verfügung stehenden Mitteln, den Rahmenbedingungen. Alle Aspekte sind hierfür abzuwägen, in Ausgleich zu bringen.

3. Säule: Unsere Ressourcen

Es geht um die Natur. Auf unsere natürlichen Lebensgrundlagen können wir genauso wenig verzichten wie auf den Frieden.

Wir müssen genau hinsehen, welche Flächen wir versiegeln oder ob Baumaßnahmen auf bereits versiegelten Flächen stattfinden. Mit Augenmass müssen wir die Bebauung von freiwerdenden Flächen wie Stadtgärtnerei und Bauhof planen.

Wir benötigen Platz für flächensparendes Kleingewerbe und Handwerksbetriebe, nicht zwingend für weitere große Betriebe, denn die Haupteinnahmequelle der Stadt ist nach wie vor die Einkommenssteuer.

Wir dürfen nachdenken über integrierte Konzepte, wie Supermärkte, die das Parken erdgeschossig vorsehen und darüber die Verkaufsräume planen.

Um unsere Umwelt, aber auch um unsere Lebensqualität geht es, wenn wir den Verkehr nachhaltig planen. Dabei geht es zum einen natürlich um Parkplatzkonzepte und die Leitung von Verkehrsströmen, zum anderen um die Stärkung des öffentlichen Nahverkehrs. Die Nutzung von Bus und Bahn muss vor allem eins sein – erschwinglich und attraktiv.

Wir dürfen kreativ sein und auch über alternative Fortbewegungsmöglichkeiten nachdenken, wie die Möglichkeit im Stadtgebiet E-Lastenfahrräder vorzuhalten.

Wir dürfen kreativ sein. Mit Augenmaß.